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Gehaltsplus für Angestellte nur um 3,5 %!

fidel hat das Tarifergebnis geprüft. Keine 5,8 % sondern ca. 3,5 %. Mehr nicht. Informationspolitik der Gewerkschaften als "unseriös" kritisiert.

Was sind eigentlich fünf Pro­zent? Früher war das klar. Wer 2000 Mark verdiente, bekam hundert Mark dazu. Und das für ein Jahr. 

Heute sieht die Sache anders aus… 

Es gibt eine Einmalzahlung, einen Sockelbetrag, prozentuale Erhöhungen und ein Minus beim Leistungsentgelt. Das alles bei einer Laufzeit von zwei Jahren. Wer herausfinden will, wie hoch seine eigene Gehaltssteigerung ist, muss deshalb genau rechnen.

Warum eine individuelle Berechnung?

Aufgrund des fixen Sockelbetrags fallen die Steigerungen der verschiedenen Tabellenwerte unterschiedlich aus. Bei einem Gehalt von 2000 Euro entspricht dem Sockelbetrag von 40 Euro eine Steigerung von 2 %. Ist das Entgelt 4000 Euro beträgt das Plus nur 1%. Die soziale Komponente bezahlen die oberen Entgeltgruppen, insbesondere die Lehrer/innen.

Eine generelle Aussage über die prozentuale Erhöhung ist nicht möglich. Es können für die einzelnen Tabellenwerte nur entsprechende Prozentsätze angegeben werden.  

Wie berechnet fidel das Gehaltsplus?

Wir meinen: Die durchschnittliche Gehaltssteigerung ist das Ergebnis von Plus und Minus bezogen auf den Tarifzeitraum im Monatsmittel.    

Das heißt: Einmalzahlung, Sockelbetrag und prozentuale Erhöhungen werden monatsgenau berechnet. Von der Summe wird der Betrag für das gestrichene Leistungsentgelt abgezogen. Das ergibt die absolute Erhöhung für den Zweijahreszeitraum in Euro. Daraus wird das monatliche Gehaltsplus ermittelt. Dieses wird zum Tabellenentgelt 2008 in Beziehung gesetzt. Der Prozentsatz gibt die effektive Erhöhung an.

Wichtig ist…

Wer den Sockelbetrag voll auf die Lohnsteigerung anrechnet, muss die Streichung des Leistungsentgelts abziehen. Denn im Sockelbetrag ist der finanzielle Ausgleich für die Streichung des Leistungsentgelts (1% des Monatsentgelts des Vorjahres) enthalten. Wer diesen Ausgleich als Plus deklariert und so zu höheren Werten kommt, handelt unseriös. Dies tun die Gewerkschaften.

fidel hat die durchschnittliche Gehaltssteigerung für die Lehrer/innen der Entgeltgruppen 11 bis 14 ausgerechnet. Die Steigerungsraten liegen im Bereich von 3,1 % bis 3,9 %. Hier die einzelnen Ergebnisse für die Entgeltgruppen 11, 12, 13 und 14, jeweils mit  Erläuterung.

Warum unterscheidet sich unsere Berechnung so eklatant vom Ergebnis der Gewerkschaften?

Die Gewerkschaften rechnen so: Erhöhung = Tabellenentgelt am letzten Tag des neuen Tarifvertrags (31.12.10) minus Tabellenentgelt am letzten Tag des alten Tarifvertrags (31.12.08).

Beispiel: Entgeltgruppe 11, Stufe 1

Tabelle 2008: 2440,2 Euro
Tabelle 2010: 2585,3 Euro
Erhöhung: 145,1 Euro = 5,9 %

Dazu die Gewerkschaft…

Wenn die GEW schreibt, „im Durchschnitt steigen die Tabellenentgelte um 5,8 %“, meinen viele, das sei „schön gerechnet“. Mit dieser Aussage weist die GEW lediglich darauf hin, dass die Tabellenwerte zu Beginn der nächsten Tarifverhandlung um durchschnittlich 5,8 % höher liegen werden als zu Beginn 2009.
(GEW Tarifinfo Nr. 7 März 2007)

Das ist Augenwischerei!

Nach dieser Logik käme ein Tarifergebnis bestehend aus 23 Nullmonaten und einer Erhöhung von 5,8 % im Dezember 2010 zum gleichen Ergebnis.

Die Gewerkschaften kommunizieren ein Tarifergebnis, das die Beschäftigten offensichtlich anders verstehen als die Funktionäre.

Das hat auch die GEW erkannt, wenn sie zugibt: 

Das Tarifergebnis ist kompliziert. Viele unterschiedliche Komponenten müssen berücksichtigt werden. Das haben wir in unseren letzten Tarifinfos nicht ausreichend getan und damit Missverständnisse ausgelöst.
(GEW Tarifinfo Nr. 7 März 2007)

Es ist an der Zeit, diese Missverständnisse auszuräumen.   

 

 

 

19.03.2009 22:08 Alter: 1 Jahre